Hocker
- Projekt
- Sitzhocker
- Jahr
- 2026
- Holz
- Gedämpfte Buche
- Meine Rolle
- Entwurf und Bau
Ausgangslage
Angefangen hat alles mit meiner alten Hobelbank. Nachdem ich sie restauriert hatte, fehlte noch ein passender Hocker daneben. Im Workshop „Ich war mal ein …“ im Piesberger Gesellschaftshaus in Osnabrück bekam ich die Gelegenheit, ihn selbst zu entwerfen und unter Anleitung eines Tischlermeisters zu bauen. Es ist mein erstes eigenes Möbelstück.
Der Entwurf
Zwei Ideen haben den Entwurf bestimmt. Erstens sollte der Hocker zu meiner restaurierten Hobelbank passen: aus genau dem gleichen Holz, gedämpfter Buche, und mit Details, die die Bank aufgreifen. Die rechteckigen Durchbrüche in der Sitzfläche haben keine Funktion, sie zitieren die Bankhakenlöcher der Werkbank. Zweitens habe ich mir die Herausforderung gestellt, ganz ohne Schrauben zu arbeiten. Der Hocker wird allein durch Holzverbindungen wie Schwalbenschwanzzinken, Zapfen und Leim zusammengehalten, inspiriert vom traditionellen japanischen Möbelbau. Heute steht er direkt neben der Bank: zum Kaffeetrinken, für kurze Arbeitspausen oder als zusätzliche Ablage.
Im Workshop
Das Prinzip des Workshops: Man bringt Massivholz oder ein altes Möbelstück mit und lässt daraus etwas Neues entstehen. Unter Anleitung von Tischlermeister Michael Wittenbrink ging es durch alle Stationen: Kreissäge, Abrichte, Dickenhobel, Stechbeitel und Schwalbenschwanzverbindungen, die ich direkt ins Werkstück eingearbeitet habe. Der Workshop fand über zwei Wochen an einzelnen Tagen statt, insgesamt waren es knapp 30 Stunden Werkstattzeit.
Zu Hause fertiggestellt
Eigentlich war nicht vorgesehen, außerhalb des Workshops weiterzuarbeiten. Aber ich hatte mir ein aufwendiges Projekt vorgenommen und wollte etwas bauen, auf das ich stolz bin, und dabei so viel wie möglich mitnehmen. Mit dem Wissen aus dem Workshop habe ich zwischen den Terminen und danach zu Hause die Schwalbenschwanzverbindungen vollendet, alle Bauteile von Hand angefast und die Durchbrüche für den Griff und die Bankhaken-Zitate ausgearbeitet.
Zurück in der Werkstatt
Als zu Hause alles fertig war, bin ich noch einmal in die Werkstatt gefahren. Michael hat mir angeboten, den Hocker dort mit seiner Hilfe und dem vorhandenen Werkzeug final zu verleimen. Das war nicht Teil des Workshops, sondern einfach eine sehr nette Geste.
Geölt
Nach dem Verleimen ging es noch einmal nach Hause: Dort habe ich den Hocker im Garten mit Leinölfirnis geölt. Erst damit bekam die gedämpfte Buche ihre warme Farbe und die Maserung ihre Tiefe.
Ergebnis
Geplant war ursprünglich ein Sitz- und Tritthocker. Die Stufe funktioniert allerdings nicht: Sobald man darauftritt, kippt der Hocker. Das habe ich mit meiner damaligen Erfahrung falsch eingeschätzt, und beim nächsten Mal würde ich es anders gestalten. Als Sitzhocker ist er dafür genau richtig.
Im Einsatz
Inzwischen steht der Hocker dort, wofür ich ihn gebaut habe: neben meiner Hobelbank, als Platz für eine Pause zwischendurch.
Und manchmal wandert er in die Leseecke, dann wird er zum Beistelltisch für Buch und Tee.
Oft denke ich, ich muss einfach anfangen, und alles ergibt sich beim Machen. Das stimmt zum Teil. Aber ich unterschätze oft, wie wertvoll gutes, spezifisches Fachwissen ist, wie man es in solchen Workshops bekommt. Ohne dieses Wissen wäre der Hocker nicht entstanden: ein Möbelstück, das mich glücklich macht und mich wohl sehr lange begleiten wird.
Nächstes Projekt
